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Botswana Reise (November 2002)

Nach einer pünktlichen Landung mit Air Botswana werde ich nach der Passkontrolle von einem Vertreter von Mack Air erwartet und anschliessend in einer Cessna 210 in knapp 30 Minuten zur Deception Valley Lodge geflogen. Die Lodge grenzt an den Central Kalahari National Park und die Landschaft ist dementsprechend trocken. Vorallem jetzt, zu Beginn der Regenzeit sehen die Gräser, Sträucher und Bäume sehr „durstig" aus und obwohl ich eigentlich dem Dauerregen der Schweiz entrinnen möchte, wünsche ich mir nichts sehnlicher als Regen für diese Pflanzen. Die sich auftürmenden Wolken verheissen Etliches, doch der starke Wind bläst die Wolken in Richtung Maun weiter und lässt Mensch und Natur weiter auf des ersehnte Nass warten. Den Alltag vergessend richte ich mich in der schönen, grosszügigen Unterkunft ein. Bereits am Nachmittag unternehmen wir eine erste Pirschfahrt auf dem ehemaligen Farmgelände. Obwohl hier Tierbeobachtungen nicht im Vordergrund stehen, entdeckt Rasta, der Buschmann mit seinen „Sperberaugen" zahlreiche Tiere. Richtige Aufregung kommt jedoch erst auf, als Rasta ein Schuppentier ausfindig macht. Das normalerweise nachtaktive Tier lässt uns ganz nahe herankommen, drückt sich erst flach auf den Boden und rollt sich schlussendlich vollständig ein. Die harten, kantigen Schuppen verunmöglichen selbst einer Hyäne einen Angriff auf das Tier. Die Tswanas (Einwohner Botswanas) sagen, dass der Blick auf ein Schuppentier Glück bringt, was ich gerne zu glauben bereit bin! Am nächsten Morgen unternehme ich mit den San (Buschmänner) einen Spaziergang, wobei mir die Kultur und Lebensweise näher gebracht werden soll. Beeindruckend, wie dieses Volk die Natur zu nutzen weiss. Ich lerne zahlreiche interessante Dinge und hoffe, dass mein „Stadthirn" diese Informationen zu speichern vermag! Meine Ohren lauschen verzückt der Sprache der San, die aus lauter verschiedenen Klicklauten besteht - zum Glück übersetzt der Lodge Manager das Gesagte in eine mir verständliche Sprache.

Nach dem Mittagessen muss ich mich schon wieder auf den Weg machen - leider! Das nächste Mal bleibe ich bestimmt länger! Ein Kleinflugzeug holt mich wieder ab - dieses Mal eine Cessna 206 - und fliegt mich in gut 45 Minuten ins Okavango Delta zur Landepiste des Stanley’s Camp. Schon kurz nach Maun sehe ich viele Kanäle und Lagunen, welche aber - wie für diese Jahreszeit üblich – ausgetrocknet sind. Doch je näher wir dem Stanley’s Camp kommen, um so grüner wird die Landschaft. Kein Wunder; liegt doch das Camp an permanentem Wasser. Das Stanley’s Camp ist eine typische Okavango Delta Unterkunft: ein grosszügiges Zelt mit Dusche und WC, mitten im Busch. Nachts trollen sich Elefanten und Hyänen durch das Camp und ich bin froh, dass ich bei Dunkelheit zum Zelt begleitet werde! Auf der Nachmittagspirschfahrt nehmen noch 5 weitere Personen teil und Custard, unser Ranger, unternimmt grosse Anstrengungen, um all unsere Erwartungen zu erfüllen. Mit seinem umfassenden Wissen über die Fauna und Flora hat er uns im Nu eingewickelt. Wir entdecken an diesem Abend sogar 10 Löwen, davon 2 beeindruckende Männchen. Die Landschaft hier ist sehr abwechslungsreich; saftiges Grün, Sumpflandschaften und trockene Savannenlandschaft bilden einen schönen Kontrast. Wer einmal eine Pirschfahrt auslassen will, der hat im Stanley’s Camp auch die Möglichkeit - gegen Aufpreis! - mit den 3 halbzahmen Elefanten auf einen Spaziergang zu gehen. Bestimmt ein tolles Erlebnis, doch leider bleibt mir dafür keine Zeit, reise ich doch bereits am nächsten Morgen etwas weiter, tiefer ins Delta hinein.

Für eine Nacht habe ich nun die Ehre, im Chief’s Camp zu logieren. Das Camp liegt in der bekannten Mombo Konzession bei Chief’s Island, im Moremi Game Reserve. Es heisst, dass man hier sensationelle Tierbeobachtungen machen kann...wir werden ja sehen! Alle 12 Bungalows des Chiefs Camp sind luxuriös und lassen keine Wünsche offen, sogar die Haare könnte man sich hier föhnen! Das Hauptdeck offeriert eine tolle Sicht auf ein Schwemmgebiet, das jetzt allerdings bis auf eine kleine Pfütze ausgetrocknet ist. Dennoch, gerade rechtzeitig zum Mittagessen, entschliesst sich eine Hyäne, in dieser Pfütze ein Bad zu nehmen...ist ja auch verständlich bei dieser Hitze! Gegen halb vier geht’s dann auf Pirsch. Die Landschaft unterscheidet sich enorm zum vorherigen Camp und ist - bis auf einige Landstriche - sehr viel trockener. An den verbleibenden Wasserstellen entdecken wir zahlreiche Fischadler, deren Tisch bei den austrocknenden Wasserpfützen nun reichlich gedeckt ist mit Fischen, die sich nicht rechtzeitig in die permanenten Wasser in Sicherheit gebracht haben. Auch seltene Kraniche, verschiedene Störche, Gänse und Enten treffen wir an. Auf den riesigen Schwemmgebieten, die nun mit verführerischem saftigem Gras locken, stossen wir auf grosse Impala-, Puku-, Red Lechwe- und Gnuherden. Da können ja die Raubtiere nicht weit sein! Prompt entdecken wir bei einem Busch einen gut genährten Leoparden und eine halbe Stunde später 4 Löwinnen beim Verzehren eines Gnus. Spannend war auch die Begegnung mit zwei Nashörnern. Erst vor einem Jahr wurden die ersten Nashörner wieder im Moremi Game Reserve ausgesetzt. Noch werden diese ständig von den Wildhütern überwacht, um zu beobachten, wie gut sich die Tiere wieder in diese Landschaft einfügen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Tiere (oder Teile davon) nicht als „luststeigernde Mittel" enden werden. Nach so vielen Eindrücken fahren wir zurück zum Camp und zu einem tollen Nachtessen. Eigentlich kann man eine solche Pirschfahrt fast nicht mehr steigern, doch am nächsten Morgen entdecken wir eine grosse Büffelherde, Wildhunde, nochmals Löwen, zahlreiche Giraffen, eine Hyäne und ein drittes Nashorn. Toll! Doch am meisten gefreut hat mich die Sicht im Camp auf zwei, nur ca. 3 Meter entfernte Ginsterkatzen!

Ja, und schon wieder muss ich, nach nur einer Nacht im Chiefs Camp weiter. Diesmal geht der Flug - mit einer Zwischenlandung am Linyanti - nach Kasane in den Norden Botswanas. Ich übernachte in der Chobe Chilwero Lodge, die auch den höchsten Ansprüchen gerecht wird. Nichts fehlt; die Zimmer sind sogar mit Klimaanlage ausgerüstet und der von den Safaris müde Gast kann sich bei einer Massage verwöhnen lassen. Die Sicht von der Lodge auf den Chobe Fluss ist wunderschön und durch den Feldstecher kann ich zahlreiche Elefanten beim Baden entdecken. Die für diesen Abend angesagte Bootsfahrt fällt leider buchstäblich ins Wasser; es regnet aus vollen Schleusen! Dafür werde ich am nächsten Morgen mit zahlreichen Elefantenbeobachtungen belohnt! Elefanten beim Baden zu zuschauen ist ein ganz besonderes Erlebnis, aber wenn es sich dann auch noch um kleine, 2 bis 6 Monate alte Elefäntchen handelt, möchte man die Zeit anhalten, um möglichst lange mit der Herde zu sein! Köstlich, wie sich die Kleinen im Schlamm vergnügen. Doch leider geht die Zeit um und wir müssen langsam zur Lodge zurück. Diesen Abend komme ich nun doch noch in den Genuss einer Bootsfahrt. Leider hat es noch viele, viele andere Boote auf dem Chobe und ganz so ungestört wie im Okavango Delta sind die Beobachtungen nicht. Doch die Krokodile lassen sich auch von den vielen Booten nicht stören...wer weiss, vielleicht rechnen sich diese urtümlichen Kreaturen so grössere Chancen auf ein Nachtessen aus....? Auch die Flusspferde sind durch unsere Anwesenheit nicht sonderlich beeindruckt und lassen sich höchstens zu einem „Maul aufreissen" bewegen. Neben dem Fischadler sichten wir noch zahlreiche andere Vögel wie den Eisvogel und die Bienenfresser. Wegen der vielen Wolken am Horizont muss ich leider auf die bekannten afrikanischen Sonnenuntergang verzichten und begnüge mich mit dem Anblick des aufgehenden Mondes.

Am nächsten Tag werde ich zum Flughafen von Kasane gebracht, von wo mich ein Minibus nach Kazungula, dem Vierländereck bringt. Ich reise aus Botswana aus und ein Boot bringt mich anstelle der Fähre (die gerade mal wieder in Reparatur weilt) über den Zambezi nach Zambia. Dort erwarten mich die Vertreter der Lodge Islands of Siankaba, die mich innert kürzester Zeit durch die Passkontrolle schleusen. Weil ich meine Passangaben schon im Voraus der Lodge mitgeteilt habe, wird mir die Visagebühr von USD 25.00 erlassen und der Papierkram bleibt mir erspart. Die Fahrt in Richtung Livingstone dauert auf der guten Teerstrasse ca. 30 Minuten. Die letzten 7 km auf einer Schotterstrasse führen zu einem Bootssteg, von wo mich ein Boot durch einen kleinen Kanal auf den Hauptstrom des Zambezi und auf die 2 Inseln der Lodge fährt. Auf der einen Insel befindet sich das Hauptgebäude, das Schwimmbad und ein Naturpfad und auf der anderen Insel sind die 6 schönen, luxuriösen Unterkünfte verteilt. Die Inseln sind - zu meiner grössten Freude - mittels Hängebrücken verbunden und die Unterkünfte sind erreichbar über hölzerne Laufstege. Nach den vergangen Tagen, die angefüllt waren mit stetem Programm, freue ich mich auf die kommenden 2 Tage! Faulenzen, die schöne Lodge geniessen und die Vögel beobachten! Selbstverständlich werden zahlreiche Ausflüge angeboten, so auch ein Spaziergang durch das Dörfchen Siankaba. Doctor, der Einheimische der mich begleitet, weiss viele interessante Dinge zu erzählen und die Zeit vergeht im Nu. Mit dem Mokoro werde ich anschliessend auf dem Zambezi in die Lodge zurückgebracht. Hier ist der Zambezi über 500 Meter breit und zahlreiche Inseln zieren den Fluss. Ungefähr einen Kilometer stromabwärts befindet sich eine kleine Schlucht, wo sich das Wasser durch einen nur gut 30 Meter breiten Durchlass zwängt. Die gewaltige Strömung und die Stromschnellen lassen erahnen, wie gewaltig die Wassermassen während der Regenzeit sein werden. Ab Februar schwillt der Fluss so stark an, dass die meisten Inseln in den Fluten verschwinden! Die 2 paradiesischen Tage vergehen viel zu schnell und schon werde ich am Abreisetag für den Flug mit Air Botswana (via Tuli) nach Johannesburg wieder über die Grenze nach Kasane gefahren.

(Nicole Wilhelm)

  Deception Valley Lodge

Pangolin

San

Stanley's Camp

Neugieriger Elefant

Landschaft bei Stanley's

Löwenrudel

Chief's Camp

Termitenhügel

Kraniche

Löwin