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Tanzania (November 2004)

Zugegeben, ich reiste mit gemischten Gefühlen nach Tanzania. Einerseits voller Vorfreude ein neues Land zu entdecken, anderseits voller Bedenken wegen dem teilweise existierenden Massentourismus. Doch schon bei der Ankunft in Dar es Salaam wurde ich durch die herzliche Freundlichkeit der mich erwartenden Person angenehm überrascht; auf Anhieb fühlte ich mich „wie in Afrika“. Klar, die Passkontrolle brauchte seine Zeit, schliesslich kann man bei der grossen Hitze nicht so schnell stempeln... doch dann ging alles ganz zackig und ich verbrachte die erste Nacht in der Stadt mit dem so melodiös klingenden Namen „Dar es Salaam“!

Mit einer Cessna Caravan fliege ich am nächsten Tag ins Selous Wildschutzgebiet. Der Park gilt als das grösste Wildschutzgebiet in ganz Afrika, allerdings wird nur ein kleiner Teil für Fotosafaris genutzt. Aus der Luft erinnert der nordöstliche Teil des Parks ans Okavango Delta, denn der breite Rufiji Fluss wird durch unzählige Inseln, Sandbänke und Seen unterbrochen. Spannende Flussfahrten im Motorboot sind garantiert. Die Pirschfahrten im offenen Geländewagen führen durch eine höchst abwechslungsreiche Landschaft und bei den Maji Moto (heisses Wasser) hätte ich sogar ein Ei kochen können. Leider weiss ich da noch nicht, dass mein Picnic Ei versehentlich wirklich noch roh war… Obwohl die Tiere recht scheu sind - ein Grossteil des südlichen Parks wird noch für die Grosswildjagd genutzt - kann ich viele Elefanten, Kudus, Gnus, Büffel und Antilopen beobachten. Ganz toll ist aber die Vogelwelt; allein in meinem luxuriösen Selous Impala Camp entdecke ich immer wieder neue Vögel, so dass ich eigentlich den ganzen Tag nur mit Beobachtungen im Camp hätte ausfüllen können.

Da die Regenzeit im Selous Wildschutzgebiet bereits begonnen hat, kann der Kontrast zum Ruaha Nationalpark nicht grösser sein. Anstelle einer üppig grünen Landschaft treffe ich hier eine absolut trockene Landschaft an. Kein einziger der zahlreichen Affenbrotbäume trägt Blätter und das Gras ist gelbbraun. Hoffentlich kommt der Regen bald! In diesem ebenfalls riesigen Park sehe ich so viele Löwen, dass ich am nächsten Tag mit der festen Hoffnung aufwache, man möge mir heute keine Löwen mehr zeigen!

Doch nein, ich werde nicht erhört!  Heute übernachte ich in einem rustikalen, allerdings sehr komfortablen Zelt, welches in einem ausgetrockneten Flussbett gelegen ist. Die Tiere scheinen diese Gegend auch zu mögen, denn als ich nachts zum Zelt begleitet werde, sehe ich Hyänen, Gnus und viele Antilopen, glücklicherweise aber keine Löwen.

Natürlich besuche ich auch die „Stone Town“ auf der Insel Zanzibar (Unguja) und einmal mehr werde ich sehr positiv überrascht. Die Strassenhändler sind sehr freundlich, doch keineswegs aufdringlich. Gut, der Typ, der mich mit „Hi my friend, do you remember me? We have been talking yesterday!“ anspricht, ist etwas gar dreist, doch muss er selber lachen, nachdem ich ihm klarmache, dass ich eben erst seit 2 Stunden in der Stadt weile. In den engen Gassen - ich verlaufe mich regelmässig - gibt es noch so viele alte (und auch neue) „Zanzibartüren“, die durch ihre kunstvollen Verzierungen zu faszinieren vermögen. Die Insel ist wirklich einen Besuch wert!

Bevor ich in den Norden von Tanzania in „Angriff“ nehme, verbringe ich noch 2 Nächte im „Paradies“, genannt Mnemba Island. Die kleine Insel im Indischen Ozean liegt nord-östlich von Zanzibar und darf als Schnorchel- und Tauchparadies bezeichnet werden. Das „Hausriff“ liegt nur gerade 15 bis 20 Meter vom Ufer entfernt und wartet mit einer grandiosen Unterwasserwelt auf! Die Insel wird auch „Barfuss-Insel“ genannt, da Schuhe  wirklich überflüssig sind und der Gast auch zu den Mahlzeiten barfuss erscheinen darf. Ein Ort, um die Seele baumeln zu lassen!

Gespannt schaue ich auf dem Flug von Arusha nach Lake Manyara aus dem Fenster der Twin Otter, doch der Kilimanjaro verhüllt sich in Wolken und nur der Mount Meru lässt gestattet einen kurzen Blick auf  sich, bevor die Wolken die Gipfelspitze wieder verdecken. Der Flug ist nur kurz, dafür ist die Fahrt zum Camp umso länger, denn dieses liegt ganz am Ende des Manyara Salzsees. Leider ist der Wasserstand so niedrig, dass ich die verbleibenden Flamingos nur mit dem Feldstecher in weiter Distanz ausmachen kann. Dafür sind die Elefanten zahlreich und gar nicht scheu!  Von den Safaris bin ich eher etwas enttäuscht, da er Aktionsradius nicht sehr gross ist. Doch die Landschaft ist umwerfend und nur schon deshalb lohnt sich ein Besuch auf alle Fälle; nicht zuletzt auch wegen der genialen „Manyara Tree Lodge“, die all meine Erwartungen in Bezug auf „Schöner Wohnen“ erfüllt!

Bei der Einfahrt zum Ngorongoro Schutzgebiet sehe ich erstmals meine negativen Vorurteile bestätigt; ganze Kolonnen von Safarifahrzeugen wälzen sich die steile Strasse zum Kraterrand hoch und auf der anderen Seite in den riesigen Kraterboden hinunter. Auch eine Art von Migration! Doch der Blick vom Kraterrand hinunter ist einmalig schön und wird durch die wechselnden Stimmungen der Natur bestimmt nie langweilig. Ich bin etwas entschädigt in meinen Ansprüchen und muss zugegen, dass man sich diesen Anblick auf einer Tanzaniareise nicht entgehen lassen sollte! Auch meine Unterkunft, die Ngorongoro Crater Lodge, ist ein Erlebnis. Endlich ein „Schlumpfhausen“ für Menschen! Ob es jedem gefällt oder nicht, bleibe dahingestellt, aber die Architektur und die Inneneinrichtungen faszinieren, ziehen an, stossen ab, beeindrucken und verleitet den Besucher zu Ausrufen wie „Oh“, „Ah“ und „Jöh“.

Meine zwei letzten Stationen dieser Reise sind 2 Camps in der berühmten Serengeti. Ein Gebiet, welches durch den Film und das Buch „Die Serengeti darf nicht sterben“ von Professor Grzimek weltweit bekannt gemacht wurde. Zu recht, denn der Park ist wirklich einzigartig und so sehr ich mich auch anstrenge, ich finde keine Vergleiche zu anderen, mir bekannten Tierparks und Wildschutzgebieten im Südlichen Afrika. Auf einer Pirschfahrt im nordöstlichen Teil des Parks begegnen wir keinem anderen Fahrzeug und haben sogar noch das Glück, voll in die Migration der Gnus zu kommen. Eigentlich sind die meisten Tiere schon im September vorbeigewandert, doch da war das Gras noch überhaupt nicht grün. Dazwischen gab es gute Regenfälle und so kehrten viele Tiere nochmals um. Was für ein Privileg, dieses grandiose Schauspiel erleben zu dürfen! Soweit das Auge reicht sehe ich Gnus! Sind es zehntausend, dreissigtausend oder gar  vierzigtausend? Keine Ahnung, aber bei soviel Glück wohl auch nicht mehr so wichtig!

Ja, auch Tanzania ist wirklich eine Reise wert!

(Nicole Wilhelm)

  Selous Wildschutzgebiet

Selous Impala Zelt

Löwin

Stone Town

Zanzibar mit Mnemba Island im Hintergrund

Lake Manyara National Park

Ngorongoro Crater Lodge

Serengeti

Gnu Migration