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Wildes Damaraland (Ende März 2005)
 
Wer die Chance erhält mit  einem ausgewiesenen Kenner Namibias eine Tour abseits der Touristenrouten zu unternehmen, sagt nicht nein dazu und so ändere ich spontan meine Ferienpläne; stelle meinen Wagen in Swakopmund ein, ändere vorgebuchte Unterkünfte, verschenke meine bereits eingekauften Lebensmittel und packe eine kleine Tasche für die kommenden Tage. Jupie, diese Gegend wollte ich schon immer mal genauer erkunden. Auf der Karte sind keine Wege, dafür aber Berge und die Flussläufe von Ugab, Huab und Springbok  eingezeichnet; also ein Gebiet nur für Kenner, die auch wieder den Weg rausfinden werden!
 
Mit dem Landrover preschen wir von Swakopmund über die Salzstrasse der Skelettküste entlang bis Torra Bay. Dort folgen wir der Strasse in Richtung Bergsig und biegen irgendwo dazwischen ins Niemandsland ab. Ab nun werden wir keiner Menschenseele mehr begegnen. Die 4 Tage sind geprägt von holprigen, steinigen Pisten, wunderschönen Landschaften, atemberaubenden Farbenspielen, Orte mit versteinerten Bäumen, dem Suchen von Halbedelsteinen, genialen Aussichtspunkten und schönen Sonnenauf- und Untergängen. Wir befahren einen Weg, der die Orgelpfeifen bei Twyfelfontein lächerlich erscheinen lässt; 4 km misst diese Orgelpfeifenstrasse! Immer wieder geht’s runter ins Huab Flussbett um auf der anderen Seite in eine noch schönere Landschaft zu gelangen. Am unvergesslichsten bleibt mir der Aufstieg vor Sonnenaufgang auf einen Berg – ich nenne ihn (da keinen Namen) „Klausberg“. Mit dem Aufgang der Sonne zieht Nebel ein und verhüllt die Landschaft. Nun ist Geduld gefragt, wenn der Nebel sich lichtet, dann werden wir eine tolle Aussicht zu sehen bekommen. Der Nebel kämpft mit der Sonne, gibt sich geschlagen um kurz darauf in einem neuen Anlauf wieder zuzuschlagen. Mal sehe ich einen weissen Regenbogen, dann ein Halo, das mich wie einen Geist widerspiegelt. Verrücktes Naturphänomen! Und dann endlich, die Sonne gewinnt den täglich erneuten Kampf und der Nebel verzieht sich. Unfähig der Worte sitze ich da und geniesse das Privileg einer der wenigen Menschen zu sein, der dies zu sehen bekommt!
 
Nach einer weiteren Nacht im Zelt – die Guides ziehen es natürlich vor unter freiem Himmel zu nächtigen (nach einem Blick auf den riesigen Skorpion am ersten Abend, finde ich das Zelt umso behaglicher)  führt die Rückfahrt erneut über Gai-As, deren verfallene Behausungen eines längst vergessenen Stammes die Anthropologen noch immer vor Rätsel stellen, ins Ugabtal. Nun wechselt die Landschaft; während die Berge des Huabtals in aufeinandergetürmten Schichten erscheinen, wirken die Berge vom Ugabtal eher zerrissen. Durch ein enges, felsiges Tag erreichen wir schliesslich das Camp von Save the Rhino Trust und kurz darauf die Brandberg West Mine. Die Zivilisation hat uns wieder und ich freue mich auf eine Dusche und eine leckere Seafood Platte in Swakopmund.
 
 (Nicole Wilhelm)
  Wildes Damaraland

Schiffwrack an der Skelettküste

Welwitschia Mirabilis

Aussicht ins Huabtal