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Ostafrika (Kenya & Tanzania) (im November 2006)

Als spezialisierter Veranstalter für das Südliche Afrika hat sich African Collection Tours bereits vor 2 Jahren entschieden, die Fühler auch nach Tanzania auszustrecken. Ein guter Entscheid, wie diese erneute Erkundungsreise nach Ostafrika zeigte! Das östliche Afrika leidet zwar auch heute noch teilweise unter Vorurteilen wie „Massentourismus“, und/oder „Billigtourismus“. Das mag wohl teilweise auch zutreffen; vielen seriösen Angeboten vor Ort jedoch wird Unrecht getan. Tanzania hat gemerkt, dass dem Qualitätstourismus definitiv mehr Beachtung geschenkt werden muss; Resultate sind bereits sichtbar!

Der Flug mit Emirates nach Dubai verdient keine spezielle Erwähnung; da ich schon mehrmals mit Emirates geflogen bin, buche ich den schleppenden Service und das mittelmässige Essen als „Ausrutscher“ ab! Gut so, denn der Anschlussflug von Dubai nach Nairobi ist wieder Emirates-like! Dagegen komme ich mir bei der Landung in Nairobi um knapp 30 Jahre zurückversetzt vor; der Flughafen scheint die weltweite Entwicklung schlichtweg verschlafen zu haben. Ein Visum für USD 50.00 (na ja…), aber was soll’s. Schön ist es, wieder Afrika zu spüren, zu hören und vor allem zu riechen, denn unglaublich ist der Gestank der Dieselfahrzeuge, welche sich in endlosen Kolonnen Richtung Stadtzentrum kämpfen. Da erscheint das altehrwürdige Norfolk Hotel schon fast als Oase mit sehr freundlichem Personal und speditivem Service. Die Speisekarte ist vielseitig und für Schweizer Verhältnisse günstig; dafür erreichen die Preise für eine Flasche Südafrikanischen Rotwein fast exorbitante Höhen. Glücklicherweise schmeckt aber das lokale Bier (Marke Safari) ausgezeichnet. Zur kurzen Stadtrundfahrt gehört selbstverständlich auch ein Besuch des in einer vornehmen Gegend liegenden Hauses von Karen Blixen. Wer kennt nicht den legendären Satz aus dem Film „Out of Africa“: „Ich hatte eine Farm, am Fusse der Ngong Berge!“ Am gleichen Nachmittag erfolgt der Flug in einer Cessna Caravan ab Nairobi Wilson Airport in den Norden der Masai Mara. Ich wohne im Olonana Camp, einem luxuriösen Zeltcamp direkt am Mara River. Eine Unterkunft, welche keinen Vergleich mit einem Luxus-Camp im Okavango Delta in Botswana zu scheuen braucht.

Der ganze nächste Tag ist einer Safari im Mara Nationalpark gewidmet. Unzählige Büffel, viele Elefanten, Hyänen, Giraffen und Thompson Gazellen finden Nahrung und Wasser in diesem Gebiet. Eine Gepardenmutter mit 3 Jungtieren scheint das Highlight des Tages zu sein, bis wir dann an einem der bekannten „Crossing Point“ des Mara Rivers noch tausende von Gnus und Zebras beobachten können, welche sich bereits wieder auf dem Rückweg nach Süden in die Serengeti befinden. Wussten Sie, dass die Migration jedes Jahr nur von Gnus, Zebras, Thompson Gazellen und Eland Antilopen mitgemacht wird? Und wussten Sie, dass jedes Jahr fast 2,5 Mio (!) Tiere an der Migration teilnehmen, davon alleine ca. 1,2 Mio (!) Gnus?

Ein langer Reisetag steht bevor. Zuerst mit der Cessna Caravan zurück nach Nairobi Wilson Airport. Hier erfolgt der „internationale Abflug“ nach Kilimanjaro International Airport bei Arusha/Tanzania. Was für ein Erlebnis! Die Abfertigung am Flugfeld könnte afrikanischer nicht sein. Mein Pass findet überhaupt keine Beachtung, das Gepäck wird nicht gewogen und die Dame am Schalter der „internationalen Ankunft“ - so unglaublich das tönen mag - schläft auf ihrem Stuhl, ein aufgeschlagenes Taschenbuch vor sich auf dem alten, komplett leeren Holztisch! Unvorstellbar, was passieren würde, wenn auch hier die strengen Sicherheitsauflagen gemacht würden, welche bei uns in Europa das Fliegen mehr und mehr zu einem unerfreulichen Erlebnis verkommen lassen.

Der Flug dauert eine gute Stunde und bringt uns nördlich am Kilimanjaro vorbei nach Tanzania. Die Fahrt in den Süden zum Tarangire Nationalpark führt zuerst durch Arusha, welches - so scheint es - aus einem einzigen, kilometerlangen Strassenmarkt zu bestehen scheint. Bettgestelle, Hühner, Kühlschränke, Holzschnitzereien, Getränke und alte Reifen gehören genauso zum Angebot wie Tabak, Kaffeebohnen (übrigens köstlicher Geschmack), Uhren und Safarihüte!

Das Swala Tented Camp im Süden des Tarangire Nationalparks besteht aus höchst komfortablen, geräumigen Safarizelten (selbstverständlich mit Dusche und WC). Bekannt ist dieser Park u.a. für seine rund 4'500 Elefanten. Und gut 20 dieser Kolosse sind jeden Abend am Wasserloch beim Swala Tented Camp anzutreffen, denn gegen 1800h wird das Wasser aus dem Bohrloch hochgepumpt - und pünktlich sind die Elefanten zur Stelle. Und der nächtliche Besuch eines mächtigen männlichen Löwen am Wasserloch erinnert mich wieder einmal daran, dass dieses Camp nicht eingezäunt ist und es schon seine Berechtigung hat, nach dem Nachtessen von einer Wachperson bis vors Zelt begleitet zu werden (auch wenn der junge Masai nur einen kleinen Speer bei sich trägt).

Als nächstes Etappenziel planen wir den Ngorongoro Krater im gleichnamigen Natur- und Wildschutzgebiet. Plötzlich ändert die Vegetation, wir gewinnen an Höhe und nach einem Besuch der bekannten Gibb’s Farm - wohl die bekannteste Kaffeeplantage in Tanzania - führt uns eine sehr schlechte, unübersichtliche Naturstrasse auf den 2'300 m ü.M. gelegenen Kraterrand. Und ganz plötzlich präsentiert sich vor uns - rund 600 m tiefer - der Krater in seiner ganzen Schönheit. Über den „Windy Gap“ (es bläst uns wirklich fast vom Kraterrand) führt eine katastrophale Steinpiste steil hinunter in den Krater. Glücklicherweise eine Einbahn-Verbindung, denn das Kreuzen mit einem Fahrzeug wäre schlichtweg unmöglich. Und wieder werde ich für all die Reisestrapazen belohnt: Löwen, Geparden, Hyänen, Elefanten, ein Nashorn, Kraniche, Zebras, Gnus, Warzenschweine und rund 70 Hypos im „Hypo-Pool“ leben und sterben in diesem (fast) in sich geschlossenen Ökosystem. Günstig ist ein Besuch des Kraters nicht, denn nur schon die Parkeintrittsgebühr pro Person und Tag beträgt USD 30.00; dazu kommt noch die Tagesgebühr pro Fahrzeug hinunter zum Kraterboden von USD 100.00!

Die abenteuerliche Fahrt geht weiter in Richtung Serengeti. Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet und die Fahrt von der Sopa Lodge entlang des Kraterrandes Richtung Nordwesten wird zu einer Schlammschlacht im dichten Nebel. Es fehlen nur noch die Dinosaurier und „Jurassic Parc“ wäre perfekt!  Wir verlassen den Kraterrand in Richtung Olduvai Gorge und sofort verziehen sich die Wolken. Ein Besuch im kleinen Museum bei der Olduvai Gorge - „der Wiege der Menschheit“ - offenbart erstaunliche Funde, welche belegen, dass hier vor über 3 Mio Jahren menschliche Wesen hausten. Allerdings sind sich Tanzania und Südafrika nicht einig, in welchem der beiden Länder der „älteste Mensch“ bzw. dessen Hinterlassenschaften gefunden wurden. Wir haben jedoch nicht viel Zeit, uns mit solchen Gedanken zu befassen; uns steht noch ein hartes Wegstück bevor, denn das Etappenziel heisst Kusini Tented Camp in der südwestlichen Ecke der Serengeti. Und wie immer, wenn man unter Zeitdruck steht: Die Reifenpanne - kein Wunder, auf dieser scheusslichen Piste - lässt nicht lange auf sich warten. Aber auch das gehört zum Erlebnis und glücklicherweise sind genügend Hände anwesend, um in rekordverdächtiger Zeit einen Radwechsel (mit hochmodernem Wagenheber…) zu tätigen. Über die endlos scheinende, topfebene Savanne fahren wir am Südrand der Serengeti in westlicher Richtung zum Kusini Tented Camp. Und was für ein toller Empfang erwartet uns keine 100 Meter vor dem Empfangszelt: Eine wunderschöne, grüne Mamba beobachtet aus den Ästen eines Busches unser Fahrzeug aus nächster Distanz. Bis zum Ende meines Aufenthaltes in Kusini konnte mir niemand verbindlich bestätigen, dass diese grüne Mamba nicht näher an die Zelte gekommen wäre….

Der nächste Morgen beweist mir, wie wenig Wasser es in Tanzania braucht, um aus einem befahrbaren Feldweg einen fast unüberwindlichen Sumpf zu machen! Unsere Pirschfahrt in nördlicher Richtung nach Seronera - dem Zentrum der Serengeti - wird nach knapp 30 Minuten jäh unterbrochen. Zuerst zieht unser Fahrzeug den Geländewagen des Camp Managers aus dem tiefen Morast. Dafür werden wir anschliessend vom Wagen des Camp Managers - sozusagen als Dank - zweimal aus dem Schlamm gezogen; 300 Meter in 2 Stunden! Dann endlich wird der Untergrund fester und wir schaffen es doch noch, zum Mittagessen in der Serengeti Serena Lodge einzutreffen. Als Belohnung für die Strapazen können wir heute - unserem letzten Tag in der Serengeti - einen muskulösen Leoparden beobachten, welcher hechelnd unter einem schattenspendenden Busch liegt. Der würdige Abschluss einer unvergesslichen Reise!

(Hanspeter Zeier)  

  Haus von Karen Blixen

Flug in die Masai Mara

Olanana Camp am Mara River

Mara River

Mara Conservancy

Masai Mara

Masai Mara

Mutter und Sohn

Kühles Bad

Crossing Point Mara River

Migration

Anflug Arusha

Swala Tented Camp

Hypo-Pool

Hypo-Pool

Oldupai George Museum

Reifenpanne

Grüne Mamba

Kusini Tented Camp

Sundowner

Nur noch Morast

Abschleppdienst

Serengeti

Sonnenbad

getarnt

König der Tiere

Sunset Kusini Tented Camp

Rückflug nach Arusha

Kilimanjaro