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Rwanda und Kongo (Juni 2007)

Soyez bienvenue! So freundlich wird man begrüsst bei der Einreise nach Rwanda! Da bin ich  doch gespannt auf Land und Leute! Mein erstes Ziel in Rwanda ist die Besteigung von Rwandas höchstem Berg bzw. Vulkan. Der Karasimbi misst 4’507 m und der Aufstieg soll gut zu bewältigen sein…..wenn der endlose Schlamm und Sumpf nicht gewesen wäre, hätte ich dem vielleicht beipflichten können. Der erste Tag führte uns – begleitet von einem Koch, Träger für unser Gepäck (Schlafsäcke und Zelt), Träger für die Mahlzeiten und von 3 Führern die sich jeweils über die richtige Route im dichten Dschungel beraten müssen sowie von etwa 30 Militärs, welche die Wanderung als Truppenübung betrachten – durch eine unglaubliche Vegetation. Dichter Dschungel mit langen, langen Flechten, welche den Wald in eine mystische Landschaft verwandeln, wechseln sich mit Sumpfebenen ab. Wir erreichen unser Basislager, welches auf 3’500 m liegt nach ca. 6 ½ Stunden Marsch. Müde, durchnässt von dem zum Teil fast knietiefen Schlamm versuchen wir dem Unternehmen etwas Positives abzugewinnen. Wer hatte eigentlich diese Idee stundenlang durch Schlamm zu gehen, nur um auf einen unbekannten Gipfel zu gelangen? Der plötzlich aufreissende Himmel gibt den Blick auf die umliegenden Vulkane frei und wir sehen sogar unser morgiges Ziel für einen kurzen Augenblick. Schön, toll, genial. Hoffentlich wird bald morgen! ….das habe ich auch in der Nacht ein paar Mal gedacht, aber nur weil es so unsäglich kalt war und ein heftiger Regen auf das Blechdach des Unterstandes trommelte. Der Gipfelsturm beginnt noch vor Anbruch des Tages – zum Glück hat der Regen aufgehört und mit Anbruch des Lichts sehen wir den nun schneebedeckten Gipfel nochmals. Wir müssen noch 1000 Höhenmeter überwinden….1000 Höhenmeter wobei die ersten 600 Höhenmeter wieder geprägt waren von Schlamm sowie Kletterpartien unter und über glitschige Baumstämme. Aber die Vegetation lässt die Strapazen vergessen. Wahnsinn, ich kann mich kaum satt sehen! Die immer dünner werdende Luft setzt immer mehr zu. Meine Bewegung werden langsamer und die letzten 300 Meter kämpfe ich mich Schritt für Schritt, Meter um Meter hoch zum Gipfel. Ich kann das, ich schaff das!  Die Kälte, der Schnee und der plötzliche Nebel lassen keine lange Rast auf dem Gipfel zu aber doch ein Glücksgefühl von “es geschafft zu haben”! Der Abstieg muss nicht erwähnt werden, er war rutschig, schlammig, nässend und ermüdend!

Nach einer erholsamen Nacht machen wir uns auf nach Ruhengeri oder Musanze, wie das Dorf neu heisst. Ab nun wollen wir mit den öffentlichen Verkehrsmittel weiterreisen. Der Plan ist über die Grenze in den Kongo zu gelangen und dort mit einer Fähre nach Bukavu zu fahren. Denn dort wollen wir unseren Kollegen treffen und die Gorillas im Kahuzi-Biega Nationalpark besuchen. Mit dem Bus gelangen wir ohne Probleme zur Grenze und die Ausreise aus Rwanda nimmt nur wenig Zeit in Anspruch. Beim Grenzposten in den Kongo allerdings stehen bestimmt schon 50 Personen an….ohje. Wir richten uns auf eine lange, lange Wartezeit ein. Doch gefehlt. Wir sind Weiss und müssen ein Visum kaufen. Ein Visum mit harten Devisen…da hat man Vorrang! Unsere Pässe werden gleich bearbeitet – sprich eben nicht. Denn scheinbar benötigen wir ein Spezialvisum, welches – weil wir in eine andere Provinz wollen – nur vom einem höheren Beamten ausgestellt werden kann…und dies nur an Werktagen von Montag bis Freitag….! Der freundliche Beamte sieht unsere Enttäuschung und versucht seinen Vorgesetzten zu erreichen. Kurz darauf kommt er mit unseren roten Pässen aus dem Büro, winkt Motorräder heran und sagt, der Chef wird uns in der Stadt empfangen. So sitzen wir also ein jeder von uns auf den Soziussitz eines Motorrades, versuchen unser Gepäck zu halten und vorallem unsere Pässe, die vor uns herfahren,  nicht aus den Augen zu verlieren. Wieviel wollen die uns wohl abknöpfen für den Extra-Service? Man hört ja allerlei Korruptionsgeschichten. Wir aber können nichts dazu beifügen. Nach 1 ½ Stunden Passformulare ausfüllen, Visagebühr bezahlen, offizielle Quittungen dafür in Empfang nehmen und das neue Musikgerät des Chefs ausführlich zu bewundern, stehen wir wieder auf der Strasse, legal mit Visa für einen Monat ausgestattet. Cool. Nun müssen wir noch ein Boot ausfindig machen, welches über den See fährt und ein Hotel suchen. Beides geht so ring und ohne Probleme, im Gegenteil so einfach als wären wir nicht  in einem von kriegswirren und Korruption geschüttelten Land. Die Leute, welche soviel Leid durchmachen und gemacht haben, sind fröhlich, freundlich und so unglaublich hilfsbereit. Da könnten wir viel lernen und übernehmen. Mein Hochgefühl kommt jäh zum Halt, als wir Bukavu erreichen und Carlos, unser Kollege, der seit über 20 Jahren im Kongo wohnt, erzählt, dass ca. 50 km ausserhalb von Bukavu 20 Personen auf brutalste Art niedergemetzelt wurden. Und dass der Nationalpark, wo die Gorillas beheimatet sind, geschlossen wurde, weil sich die Interahamwe dort versteckt hält. Dass ich die Gorillas nicht sehen kann, ist wohl schade, aber es gibt bestimmt ein andermal. Aber dass unter den Augen der UNO und anderen Hilfswerken – Bukavu ist voll von neusten Geländewagen und die alten Villen am See, in welchen die Belgier einst gehaust haben, sind komplett renoviert und erstrahlen in neuem Glanz – solche Gräueltaten passieren und geschehen werden lassen ist fast nicht verständlich. Aber die Bodenschätze des Kongos sind so immens, dass wahrscheinlich kein Interesse für wirklichen Frieden besteht.

Erneut überqueren wir die Grenze, diesmal bei Bukavu, Kongo nach Cyangugu, Rwanda. Der Beamte in Kongo – mit den Füssen auf dem Tisch – lässt sich Zeit beim Durchblättern unseres Passes. Er findet wir
  haben aber schon viele Länder in Afrika besucht und meint „ peut-être vous aimez l’afrique?“ Zufrieden mit der Antwort „ja“ lässt er den Stempel in Pass niedersausen und wir dürfen ausreisen. Mit einem Taxi lassen wir uns in den Nyungwe Nationalpark bringen. Nyunge ist Afrikas höchster Bergregenwald. Hier kann man Schimpansen und viele andere Affenarten wie die schwarz-weissen Stummelaffen beobachten...wenn man Glück hat. Wir haben Glück in allen Belangen – der Parkbeamte hat Mitleid mit uns, weil wir kein eigenes Fahrzeug haben und bringt uns in einem alten verstaubten Bungalow unter. Einzig mit dem Essen war es nicht gerade optimal – es hat kein Restaurant, aber einen kleinen Kiosk mit Bier und Wasser....und Reis für die Einheimischen. So hiess es auch für uns für die nächsten 3 Nächte: Reis mit Reis, Reis mit Reis und Reis mit Reis! Mit Anbruch der Morgendämmerung machen wir uns auf zur Schimpansen Suche. Wir müssen bei den Schimpansen sein, so lange diese noch auf den Bäumen sind. Denn nachher, wenn sie sich auf Nahrungssuche machen, ist es fast unmöglich diese im dichten Busch am Boden zu entdecken. Also rennen wir fast 2 Stunden den Berg hinunter um auf der Gegenseite wieder eine Stunde hochzusteigen. Wir hören die Schimpansen im Wald rufen – es müssen 2 Gruppen sein...doch sie sind nicht auszumachen. Die Ranger, welche die Schimpansen 24 Stunden beobachten und schützen, lotsen uns über Funk durch den Wald zur Stelle. Ja, da sind sie. Weit oben in den Baumwipfel, strecken sich, schwingen waghalsig von einem Ast zum andern und geben uns Zeit zu staunen und beobachten. Diese Schimpansen sind sehr scheu und nicht an Menschen gewohnt. Wir versuchen so leise wie möglich zu sein um möglichst lange einen Blick auf diese Tiere zu haben. Zufrieden machen wir uns nach einer Stunde wieder auf den Rückweg. Diesmal haben wir Zeit die Vegetation wie Mahagoni Bäume und grosse Farnbäume zu bewundern. Eine 7-stündige Wanderung, die sich wirklich gelohnt hat. Auch der Besuch am nächsten Tag zu den Stummelaffen war lohnenswert und zum Glück etwas weniger anstrengend !

Mit einem Express Bus – der Parkbeamte hat diesen über Funk gebeten im Park ausnahmsweise zu halten für die Muzungu’s – fahren wir nach Kigali, der Hauptstadt Rwandas. Wir freuen uns auf eine Mahlzeit, welche nicht aus Reis besteht! Nach 2 Tagen organisieren, haben wir einen Fahrer mit Geländewagen und machen uns in den Akagera Nationalpark auf. Ein landschaftlich umwerfend schöner Park und mittlerweile hat es auch wieder eine beachtliche Anzahl von Giraffen, Büffeln und Antilopenarten. Neben den 100'000 Bremen ähnlichen Fliegen, welche das Leben unten in den Sümpfen des Parks zur Hölle machen, leben hier auch einige der sehr seltenen Schuhschnabel Storche. Einen Blick auf diesen zu werfen ist uns leider nicht beschieden, dafür machen wir die Bekanntschaft mit dem einsamen Elefantenbullen. Wir haben einen platten Reifen und unser Fahrer möchte diesen gerade wechseln, als der Ranger, der uns während den Fahrten im Park begleiten muss, den Funkspruch erhält, dass einige 100 Meter von uns entfernt der Elefant ein Auto verfolgt, welches in unsere Richtung fährt. Panik bricht aus, weil das Hobby des Elefanten anscheinend Auto umdrehen sei....Unser Fahrer, der noch nie einen Elefanten gesehen hat , wendet das Auto mit dem Platten und rast im horrenden Tempo zurück auf vermeintlich sicheres Terrain. Klar, der Gummi des Reifen fängt an zu schmelzen und als wir nur noch auf den Felgen fahren, findet auch der Wildhüter, dass wir jetzt ganz schnell den Reifen wechseln sollen. Wir greifen alle zu und innerhalb von wenigen Minuten ist das Auto wieder startklar. Gerade rechtzeitig, denn der Elefant taucht auf der einen Seeseite auf, sieht uns und fängt an in unsere Richtung
  zu rennen....nichts wie weg! Mit dem ist wirklich nicht gut Kirschen essen!

Voll von guten und traurigen Eindrücken endet die Reise nach knapp 3 Wochen. Afrika ist einfach ein Virus, den man nicht mehr los wird oder werden will!


(Nicole Wilhelm)  

  Karasimbi Aufstieg

Karasimbi

Karasimbi

Dschungel

Flechten

Bisenko

Bizarre Landschaft

steiler Aufstieg

dichte Vegetation auf 4000 Meter

Bootsfahrt Lake Kivu

Lokale Inselfähre

Grenzübergang Bukavu-Cyangugu

Olive Baboon

Topi's

Zebras im Akagera

Kraniche im Flug