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West Zambia mit Liuwa Plains, Kasanka und Bangweulu Swamps
13 Mai 08 – 06 Juni 08


Mit einem vollausgerüsteten Geländewagen wollen wir West Zambia beziehungsweise den Liuwa Plains Nationalpark erkunden und die Route soll der Barotse Flutebene (Schwemmgebiet des Zambezi) entlang gehen. Nach Liuwa weiter mit der Fähre nach Mongu zum Tanken und dann in den Kafue Nationalpark. Von dort hoch zum Kasanka Nationalpark und in die Bangweulu Sümpfe um den Shoebill zu sehen. Im Wissen, dass der Monat Mai nicht ideal ist für eine solch abenteuerliche Reise, haben wir uns auf sumpfiges Gelände eingestellt und auch das Auto ausbuddeln (mehrmals) war miteinkalkuliert. Hätten wir gewusst wie beschwerlich der erste Teil der Reise war,
  wäre die Routenplanung wohl ganz anders ausgefallen:

Dass wir über lange Strecken auf Pisten, welche nur von Esel- und Ochskarren benutzt werden, auf Fussgängerpfaden oder gleich querfeldein fahren würden, haben wir uns nicht ausgemalt...! Weggespülte Brücken zwangen uns zu Umwegen und Irrfahrten. Immer wieder endeten die Pfade im sumpfigen Gelände oder verloren sich in einem Maisfeld. Die Suche nach einem fahrbaren Durchgang und die Herausforderung Waldstücke auf Trampelpfaden zu bewältigen war zermürbend und das Ausbuddeln aus dem Sumpf stimmte nicht zuversichtlicher. Der Mietwagen, der in einer kleinen Siedlung neben dem Misthaufen nicht mehr anspringen wollte, war auch nicht gerade ein Höhepunkt!
  Doch Dank technischen Kenntnissen konnte das Auto zur weiteren Zusammenarbeit motiviert werden.

Trotzdem hat sich gerade diese Strecke tief ins Gedächtnis gebohrt. Wäre es nicht so beschwerlich gewesen, hätten wir diese vielen netten und hilfsbereiten Lozi (Einwohner der Barotse Ebene) nie kennen gelernt. Immer wieder haben uns diese Menschen, welche weniger Habtum besitzen als wir in unserem 4x4 mitführten, den Weg gewiesen und die Namen der kommenden Dörfer genannt oder aufgeschrieben. Zu Beginn haben wir das Angebot einer Begleitung abgewiesen, doch nach mehrmaligem Verfahren (es ist einfach unmöglich als nicht Einheimischer den richtigen Weg zu finden), kamen wir gerne darauf zurück. So kam es, dass wir meistens 2-3 Personen zusätzlich im Fahrzeug hatten, welche dann Stolz allen zuwinkten, uns ins nächste Dorf lotsten und dort auch meistens für weitere Eskortierung sorgten. Dies scheint nichts Aussergewöhnliches zu sein, aber im Wissen, dass diese netten Leute dann ganz selbstverständlich einen stundenlangen Fussmarsch in Kauf nahmen um zu ihrem Daheim zurückzukehren, das ist schier unglaublich! Bei einer Fahrt wurden wir 4 Stunden lang begleitet von 2 Jugendlichen, welche nur brockenweise englisch sprachen dafür aber eine hervorragende Geländekenntnis hatten. Sie sollten uns den Weg über den Lueti weisen. Doch die Fahrt durch den Fluss (einmal mehr fehlte die Brücke) erwies sich als viel zu sumpfig. Es dauerte eine Weile, den beiden klar zu machen, dass ein Ochskarren nicht so schwer ist wie unser Landrover. Doch dann ging es los, Slalom durch Wälder, durch Dickicht und im Zickzack durch hohes Gras. Nur die Richtung stimmte nicht. Aber die zwei liessen sich nicht beirren, deuteten mal rechts mal links und unsere Zuversicht schwand zunehmend. Doch nach 3 Stunden erreichten wir einen Zaun und die Jungs lachten uns stolz an. Den hinter dem Zaun – eine Fahrpiste!! Nun galt es nur noch den Zaun zu überwinden und dann konnten wir zum ersten Mal seit langem über 30 km/h fahren. Ein Glücksgefühl! Und die Brücke über den Lueti gab es auch! Geschafft. Nun werden wir nach Kalabo kommen! Unsere 2 stolzen Begleiter liessen wir unweit von der Stelle, wo Sie uns über den Fluss lotsen wollten aus dem Auto. Zu Fuss geht manchmal alles ein bisschen einfacher und schneller!!

Das südafrikanische Sprichwort „we make a plan“ kenne ich zwar schon lange, doch noch nie habe ich dessen Bedeutung so gewichtet wie auf dieser Reise. Man stelle sich vor, man erreicht nach einer langen strapaziösen Fahrt das ersehnte Ziel und findet erst dort heraus, dass die Fähre von Kalabo nach Mongu im Mai gar nicht fährt und wir somit nicht auftanken können. Und auch den ganzen Weg wieder nach Shesheke zurückfahren müssen. Dann braucht man einen Plan...einen guten Plan! Mit Hilfe der Koordinatoren von Liuwa Plains Nationalpark kommt aber alles gut und wir können den dringend benötigen Treibstoff auftreiben.


Durch die schwere Erreichbarkeit in dieser Jahreszeit geniessen wir das Privileg ganz allein im Nationalpark zu campieren.....wenn das die Strapazen nicht wert waren! Wir haben auch Glück und können die Gnu Migration beobachten. Tausende von Gnu’s haben sich aufliniert und streben an einen unbekannten Ort im Nordwesten von Zambia oder Osten von Angola. Die Wanderroute dieser Tiere ist noch nicht wirklich erforscht, soll nun aber mit Hilfe von African Parks herausgefunden werden. Sicher ist aber, dass die Gnu’s jedes Jahr mit beginnendem Regen nach Liuwa Park wandern und dort bis Mitte/Ende Mai verweilen. Eine kleine Serengeti aber mit viel weniger Touristen! Zufrieden sitzen wir auf dem Dach unseres Landrovers, den Feldstecher in der Hand und geniessen die unendliche Weite, das Blöcken der Tiere, die grossen Schwärme von Klunker- und Kronenkranichen und die Gewissheit in einem kleinen noch unbekannten Paradies zu sein.

Viel zu schnell vergeht die schöne Zeit und wir müssen uns mit dem Rückweg befassen. Eigentlich wäre nun der Kafue Nationalpark das Ziel, doch die Umstände lassen den Park in unerreichbare Ferne rücken. Wir versuchen eine neue Route, welche Sumpf frei dafür sehr, sehr sandig sein soll.....! Sehr sandig können wir bejahen, doch ganz ohne Sumpf ging es auch hier nicht. Noch einmal bleiben wir im Dreck stecken und über die zwei Fälle, wo uns das Glück wahrscheinlich mehr als nur wohlgesinnt war, wagen wir gar nicht weiter nachzudenken! Wir erreichen Shesheke mit dem letzten Tropfen Diesel. Mangels Tankstelle kaufen wir einem Strassenhändler 20 Liter Diesel ab – diese sollen uns nun noch ins 200 km entfernte Livingstone bringen. Tanken, Lebensmitteleinkäufe, Geldwechseln, Schrauben am Auto nachziehen, Kleider waschen und das Wageninnere entstauben sind die Aktivitäten der nächsten Stunden.

Kasanka Nationalpark und die Bangweulu Swamps sind die nächsten Ziele. Beides wiederum relativ unbekannte Regionen; keine „big Five“ Beobachtungen doch für Vogelliebhaber ein Muss. Kasanka ist nur klein und bietet Wald- und Sumpflandschaften. Neben den unzähligen Puku’s hat man gute Chancen bei einer Bootsfahrt eine der seltenen Pel’s Fischeule zu sehen und beim Fibwe Hide am frühen Morgen eine Sitatunga Antilope zu beobachten....zumindest uns war dieses Glück beschieden. Leider sind die Tiere sehr scheu; nur die lästigen Tsetse Fliegen sind aufdringlich und machen sich durch schmerzhafte Stiche bemerkbar!

Im Kleinflugzeug lassen wir uns nach 3 Tagen in die Bangweulu Sümpfe fliegen. Schon der Flug ist ein Erlebnis. Wir überfliegen die Stelle, wo David Livingstone starb - eine Gedenkstätte erinnert heute noch daran - und können aus dem Flugzeug an die 100'000 schwarze Moorantilopen sichten. Wow! Bangweulu ist ein riesiges Sumpfgebiet und bekannt für seine Schuhschnabel Population. In ganz Afrika sollen noch ungefähr 5'000 solcher Vögel leben, die meisten davon im Südsudan. Gemäss einer kürzlichen Zählung soll es in den Bangweulu Sümpfen noch an die 500 Tiere geben. Leider wird deren Lebensraum immer mehr von den einheimischen Fischern bedrängt. Die Bisa verlassen jeweils Ende März Ihre Dörfer entlang der Hauptstrasse um die nächsten paar Monate unter einfachsten Bedingungen in den Sümpfen zu leben und sich ganz dem Fischfang zu widmen. Durch die Überfischung werden allerdings nicht nur die Erträge sondern auch die Fische immer kleiner.


Einen der raren Vögel zu finden ist nicht ganz einfach. Je nach Glück braucht es viel Zeit und Geduld und abhängig von der Jahreszeit auch konditionelle Ausdauer. Wir brechen am frühen Morgen mit unseren zwei Polern und einem Guide im schmalen Boot auf. Die Fahrt führt anfänglich über breite Wasserflächen, werden dann aber bald zu engen Kanälen und manchmal ist das Gras so dicht, dass die zwei Männer alle Kraft aufwenden müssen um uns Touristen vorwärts zubringen. Aber auch das vermeintlich dichte Gras trägt nicht und ein Versuch aus dem Boot auszusteigen, bringt nasse Hosen. Als es per Boot nicht mehr weitergeht, brechen unsere zwei „Motoren“ zu Fuss auf um einen Storch zu finden. Derweil warten wir gemütlich im Boot und beobachten Vögel. Wir sichten nicht nur Wasservögel, sondern auch zahlreiche andere wie der Bienenfresser oder Eisvogel. Nach gut einer Stunde kommen die 2 Männer zurück, nasse Hosen bis zu den Hüften und einen verneinenden Blick. Nein, leider keinen Shoebill. Also per Boot in eine andere Richtung. Wieder verlassen die 2 Stachler das Boot, erkundigen sich bei einigen Fischern und wir warten während die Sonne auf uns hinunterbrennt. Die Warterei ist schier endlos und unser Führer erzählt uns Geschichten von sensationellen Beobachtungen und glücklichen Personen, welche ohne grossen Aufwand den Vogel gesehen haben. Aber er erzählt auch, dass z.B. im Oktober bis zu 7 Stunden durch den Morast gewandert werden muss....da haben wir doch noch Glück. Plötzlich hoch im Himmel fliegt einer dieser Störche....aber sooo weit weg. Nein, etwas näher möchten wir dieses Tier schon sehen. Kurz darauf taucht einer der Männer auf und winkt uns zu. Oh, also jetzt gilt’s ernst. Hosen hochkrempeln, rein in das sumpfige Gras und losmarschieren. Trockene Stellen gibt es keine und die Hosen sind bald bis zu den Oberschenkeln nass. Ca. 30 Minuten dauert der Marsch und da sehen wir ihn. Ja, ein bisschen Aufwand muss sein, um diesen grossen, bizarr aussehenden Vogel zu sehen. Einfach toll! Während die 2 Stachler zurück zum Boot gehen, waten wir derweil weiter durch den Sumpf um den langen Bootsweg etwas abzukürzen. Bei einer kleinen Fischerhütte, welche auf einem der wenigen trocken Flecken erbaut ist, warten wir eingehüllt vom Duft der trocknenden Fische auf das Boot. Die Kinder der Fischerhütte bestaunen uns ebenso wie wir staunen, dass man unter diesen feuchten Bedingungen leben kann. Sehr zum Gelächter der Einheimischen, befreien wir uns unter entsetzten Ausrufen von Blutegeln...beziehungsweise lassen uns befreien. Oh Yak, wie eklig! Gute acht Stunden nach unserem Aufbruch am Morgen erreichen wir wieder das Camp und dürfen ein feines, spätes Mittagessen geniessen. Das ist purer Luxus und Dank all den hilfsbereiten und gut gelaunten Angestellten des rustikalen Camps sind die 4 Tage Aufenthalt geradezu paradiesisch.

Vor dem Retourflug unternehmen wir noch eine kurze Pirschfahrt mit dem Geländewagen zu den riesigen Herden von schwarzen Moorantilopen. Soweit das Auge reicht nur Antilopen! Noch einmal im Tiefflug über die Gegend und dann zurück zum Kasanka Park, wo unser Auto – frisch gewaschen – wartet. Auf langweiligen Teerstrassen fahren wir zurück via Lusaka nach Livingstone und mit der Fähre bei Kazungula nach Kasane. Die Ausreise aus Zambia war weitaus nervenaufreibender als die reibungslose Einreise einige Wochen zuvor. Jeder Offizielle und Halboffizielle wollte noch für irgendetwas Geld einkassieren – Nationale Strassengebühr, lokale Gebühr für den Distrikt Kazungula (wir haben bei der Einreise schon eine lokale Gebühr für irgendetwas bezahlt) etc. etc. Einer will sehen, ob wir die Abgas Taxen bezahlt haben, ein anderer will das temporäre Importformular des Autos abgestempelt haben, einer will prüfen, ob wir auch wirklich eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hatten ...und dies alles bei der Ausreise!
  Dafür war die Einreise in Botswana innerhalb von 5 Minuten erledigt und gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir unseren Campingplatz.

Die Reise neigt sich dem Ende zu, wir unternehmen noch eine letzte Pirschfahrt in den Chobe Nationalpark und sehen in kürzester Zeit an die 300-400 Büffel, unzählige Elefantenherden, grosse, stattliche Kudus, Krokodile und Flusspferde. Danach geht die Reise via Nata und Martin’s Drift nach Johannesburg.

Es war unbestritten eine Reise, welche in allen Belangen einzigartig war; die Menschen, die Landschaften, die Tiere und die Emotionen.

(Nicole Wilhelm)  

  barotse floodplains

Kalabo tansport

Liuwa Wildebeest

flight Kasanka-bangweulu

Black Lechwe

Elephant

Shoebill

Civet

Bangweulu Swamps

Strasse in Liuwa Plains

Kraniche

Bisa Junge im Boot

Gnu

Impala und Oxpecker