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Tanzania – Katavi- & Mahale Nationalpark sowie Lazy Lagoon, November 2009

Endlich, nach einem gut 1.40 Std. dauernden Flug ab Ruaha Nationalpark, erreiche ich den schwer erreichbaren, abgelegenen Katavi Nationalpark. Fernab von den Touristenströmen des Nordens findet sich hier, in den nördlichen Ausläufern des Rukwa Rift Valley, ein Kleinod. Die Schwemmebenen des Katuma Flusses, die Savannen und die dichten Miombo Wälder machen den Charme aus und ich freue mich auf eine 4-tägige Entdeckungsreise des über 4'000 km² grossen Parks.

Mit meiner Ankunft scheine ich auch den langersehnten Regen mitgebracht zu haben und bereits am Nachmittag verzögert ein heftiger Gewittersturm unsere geplante Safari. Aber das Spektakel des sintflutartigen Regens, der bedrohlichen Wolken, die über die Savanne heranpeitschen, lässt keine schlechte Laune zu. Ich habe das Glück oder Pech, dass es während des ganzen Aufenthalts immer wieder regnet und mehr als einmal werden wir auf der Pirschfahrt durchnässt. Aber ich bin fasziniert, wie schnell sich eine ausgedörrte, karge Graslandschaft in ein saftig spriessendes Paradies verwandelt! Jeder Tag bringt eine neue Überraschung! Und wie jedes Jahr im November, kommen mit dem Regen auch zahlreiche Vögel an, welche die Sommermonate hier verbringen wollen. Mit dem Steigen des Wasserpegels kriechen auch die Krokodile, welche sich während der Trockenzeit eingebuddelt haben, wieder aus Ihren Höhlen. Eine spannende Sache und der Dokumentarfilmer von BBC, der dieses Geschehen auf Zelluloid bannt, macht einen zufriedenen Eindruck und gibt während des gemeinsamen Abendessens so manch interessante Tierbegegnung zum Besten. Eine geräuschvolle und für mein Riechorgan eher unangenehme Beobachtung ist der grosse Pool der Flusspferde. Ich weiss nicht, wie viele hundert Flusspferde sich im wenigen, verbleibenden Wasser aneinander drängen und aus Platzmangel zum Teil halb über einander liegen! ....es ist mir ein Rätsel, wie die Flusspferde aus der Mitte an Land gehen können...aber wahrscheinlich wird so lange gedrängelt und gerangelt, bis alle unter lautem Maulen Platz machen!

Die Tage vergehen viel zu schnell und mit grossem Bedauern muss ich Abschied nehmen...aber ich werde bestimmt zurückkehren! Doch nun geht es zum nächsten Höhepunkt – die Schimpansen-Begegnungen im Mahale Nationalpark. Im Kleinflugzeug lande ich auf Tanzania’s gefährlichsten Flugpiste. Gefährlich wegen des Anfluges über die Mahale Berge, die, einmal überwunden, ein rasches Absinken der Maschineerfordern, will man nicht im See landen! Der Pilot hat es zum Glück im Griff! Der folgende einstündige Transfer im Motorboot führt auf dem Tanganyika See in südliche Richtung. Tanganyika – was für ein Name! Es ist Afrikas grösster Süsswasser See und mit einer Länge von fast 700 km und mit einer Tiefe von 1'470 m der längste und der zweittiefste See weltweit! Eine gigantische Schlucht, gefüllt mit klarem, blauem Wasser und einem immensen Reichtum an Fischen – allen voran die Buntbarsche, welche in unseren Aquarien so beliebt sind.

Und hier, an diesem – von Industrie (noch?) verschontem - Paradies, bilden die östlichsten Regenwälder des Kongobeckens ein Zuhause für die Schimpansen. 700 bis 1000 unserer nächsten Verwandten sollen hier leben und einige werde ich während den nun folgenden Tagen zu sehen bekommen. Je nach Jahreszeit muss man bis zu 5-6 Stunden Fussmarsch in Kauf nehmen, doch wir haben Glück und hören die Schimpansen schon am frühen Morgen in der Nähe des Camps kreischen! Die Spannung steigt und endlich dürfen wir mit Butati, dem „TANAPA“ (Tanzania National Parks) Ranger losmarschieren. Strikte Vorschriften bestehen beim Kontakt mit den Schimpansen und so müssen wir alle einen Mundschutz anziehen bei der Sichtung der Affen. Es ist beeindruckend und so manche Mimik, Geste und das Verhalten in bestimmten Situation lassen keinen Zweifel an unserer gemeinsamen Herkunft aufkommen! Noch heute staune ich, wie nah die Schimpansen kamen. Oft hätte ich sie berühren können, doch in Anbetracht, dass ein Männchen mehr Gewicht auf die Waage bringt wie ich und mir auch in Körpergrösse nicht nachsteht.....habe ich mich jeweils so unsichtbar gemacht wie nur möglich. Neben den Schimpansen gibt es natürlich auch andere Affenarten, wie die roten oder schwarzweissen Stummelaffen und Paviane. Auch Buschböcke und Leoparden sind hier beheimatet, doch vom zweiten sieht man höchstens hin und wieder die Pfotenabdrucke.

Eine Bootsfahrt auf dem See bringt mich zu einem beliebten Schnorchelplatz...aber das riesige Krokodil, welches ganz in der Nähe im Ufersand Sonne tankt, lässt den Gedanken ans Schnorcheln schnell wieder vergessen. Scheinbar hat sich das Krokodil seit einiger Zeit diesen Platz als neues Daheim auserkoren! Allerdings glaube ich nicht, dass ein Krokodil an mir vorlieb nehmen würde, bei dem leckeren Nahrungsangebot im See....aber auf einen Test will ich es lieber nicht ankommen lassen. Ich vergesse also das Schnorcheln und schwimme kurz beim Strand vor dem Camp, nahe dem Bootssteg!

Nach diesen spannenden und eindrücklichen Tagen fliege ich die lange Strecke zurück nach Dar es Salaam, von wo mich ein Transfer in die Nähe von Bagamoyo bringt. Ein Motorboot fährt mich danach auf die „einsame“ Insel. Genauer gesagt ist es eine Halbinsel und Lazy Lagoon die Unterkunft. Doch ich fühle mich wie Robinson Crusoe während meiner stundenlangen Fussmärsche dem Strand entlang. Keine Menschenseele, ausser einigen Fischerbooten, die vorbei segeln ...und natürlich den anderen Gästen, die allerdings eher bei der Lodge anzutreffen sind. Ein kleines Riff bietet sich zum Schnorcheln an und selbst Schwimmen ist immer möglich! Ein herrlicher Ort um die Safarierlebnisse in Ruhe zu verarbeiten!

Nicole Wilhelm
  Katavi Sturm

Katavi Luftaufnahme

Katavi Abendstimmung

Katavi Loewen

Mahale Landepiste

Zambezi Kulefu

Mahahle Nationalpark

Mahale Pflanze

Lazy lagoon main building