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Mozambique im 4x4 Geländewagen (Juni 2002)

Ein ruhiger Flug mit der South African Airways bringt mich nach Johannesburg, wo ich am Flughafen für die Übernahme meines „Zuhause" für die nächsten 3 Wochen abgeholt werde. Nach der Abwicklung aller Formalitäten fahre ich als stolze Besitzerin eines komplett ausgerüsteten Geländewagens mit Dachzelt (wenigstens für 3 Wochen) zum nächsten Einkaufszentrum, um die Einkäufe für diese Reise zu tätigen. So macht es Spass einzukaufen; im Nu sind 2 Einkaufswagen gefüllt mit Lebensmitteln, Wasser und anderen nötigen Utensilien. Die Reise kann endlich starten! Nach einer ersten unruhigen Nacht bei Pongola (ich muss mich zuerst wieder an das Schlafen in einem Dachzelt gewöhnen) führt die Reise zum Kosi Bay Nationalpark. Der Park liegt an einem grossen See und die üppige Vegetation bieten zahlreichen Vögeln ein Zuhause. Sogar den seltenen Palmnut Vulture sichte ich!

Alle Papiere bereithaltend stelle ich mich auf einen nervenaufreibenden Grenzübergang nach Mozambique ein. Doch beim kleinen Grenzposten Kosi Bay / Ponta do Ouro geht alles ganz zackig; nach der Bezahlung einer Versicherungstaxe und einem flüchtigen Blick des Grenzbeamten in mein Fahrzeug befinde ich mich schon 5 Minuten später in Mozambique. Ab jetzt ist ein 4x4 unerlässlich; zahlreiche sandige Pisten stehen zur Auswahl und in der Annahme, dass alle zum gleichen Ziel führen, kämpft sich der Wagen durch den manchmal sehr dicken Sand nordwärts. Das heutige Ziel heisst Ponta Malongane, wo ich auf einen menschenleeren Strand treffe!

Schon am nächsten Morgen geht’s weiter auf der Sandpiste via Bela Vista nach Catembe, von wo ich die Skyline von Maputo auf der anderen Seite des Meeres sichte. Ich freue mich auf die 20 Minuten dauernde Fahrt mit der Fähre zur Hauptstadt. Doch weit gefehlt, die Fähre fährt leider nicht (da in Reparatur auf unbestimmte Zeit...) und ich habe das zweifelhafte Vergnügen, die holperige und von Schlaglöcher gesäumte Strasse bis Bela Vista nochmals unter die Räder zu nehmen. Erst mit der anbrechenden Dunkelheit treffe ich im von Abgasen gequälten Maputo ein. Der nette Empfang im Holiday Inn Maputo und die alles überragende Fischplatte lassen die Strapazen des Tages schnell vergessen!

Bei einer Stadtbesichtigung zu Fuss mache ich erstmals Bekanntschaft mit Polizisten, die Ihr spärliches Salär etwas aufbessern möchten. Aus diesem Grunde wollen sie unbedingt meinen Pass sehen, den ich aus Sicherheitsgründen aber selbstverständlich im Hotel gelassen habe. Dies wiederum finden die 2 Hüter der Gesetze ganz und gar nicht lustig und verlangen, dass ich sie auf das nächste Polizeirevier begleite. Dies wiederum finde ich eine schlechte Idee! Natürlich möchten die zwei Herren eigentlich nur Geld (ohne es klar zu formulieren...), doch auch das liegt bis auf einige Meticais sicher im Hotelsafe und so darf ich - nach schier endlosen Verhandlungen und mit dem Versprechen, nie wieder ohne Pass herum laufen - meinen Weg fortsetzen.

Die Lage der Hauptstadt Mozambiques ist wunderschön und die von Palmen bewachsene Hafenstrasse erinnert an längst vergangenen Zeiten, als Lourenzo Marques (Maputo) noch als eine der schönsten Städte Afrikas galt. Die Sehenswürdigkeiten sind schnell gesehen; neben dem Bahnhofgebäude und dem alten Fort gibt es nicht mehr allzu viele. Interessant ist aber das lebhafte und bunte Treiben auf den Strassen und der Besuch eines Marktes ist zu empfehlen. Dennoch bin ich froh, die Stadt am nächsten Tag hinter mir zu lassen. Anfänglich herrscht noch reger Verkehr und zahlreiche Strassenkontrollen lassen den Verkehr stauen.

Die nächsten Stationen heissen Praia do Bilene, Zongoene Lodge, Praia do Xai-Xai (Schai-Schai) und Ponta Zavora. Die Zongoene Lodge an der Limpopo Flussmündung wurde – nachdem vor 2 Jahren fast alles weggeschwemmt wurde – wieder neu aufgebaut und die Bungalows wirken sehr einladend. Das 2. Etappenziel heisst Praia do Xai-Xai. Viel hat sich hier nicht verändert, seit die Portugiesen das Land im Jahre 1975 verlassen haben; ein Schild weist auf das Xai-Xai Beach Hotel hin und erst nach einiger Zeit begreife ich, dass damit eine der Bauruinen gemeint ist. Neben einigen Einheimischen, die dem Fischerhandwerk nachgehen finde ich auch hier einen langen, leeren Strand vor.

An unzähligen Cashew Nussbäumen vorbei führt die Fahrt nach Quissico. Die Aussicht auf die Lagunen und das dahinterliegende Meer ist atemberaubend und ich bereue nicht mehr Zeit zu haben, um diese Lagunen und Strände genauer zu erkunden. Kurz darauf stosse ich bei Ponta Zavora auf den schönsten Campingplatz der ganzen Reise. Dieser liegt hinter den Dünen inmitten üppiger Vegetation und auf der anderen Seite der Dünen befindet sich ein schöner Strand. Bei Ebbe trifft man ein Reef in der Form eines grossen, runden Schwimmbades an, das ein tolles Schnorchelrevier bildet. Hier sichte ich sogar in einiger Entfernung Wale und ärgere ich mich, dass der Feldstecher zu Hause blieb.

Nach drei Nächten Camping freue ich mich auf die Barra Lodge bei Inhambane und auf meine „eigene" Dusche. Die einfache Lodge bietet Unterkunft in rustikalen Hütten (mit Dusche/WC) und verfügt über den schönsten Strand weit und breit! Am Strand herrscht viel Leben: Fischerboote (Dhows) die rausfahren; heimkehrende Fischer, welche den gefangenen Fisch verkaufen; Touristen, die am Strand entlang joggen (Barfuss gibt es ganz schöne Blasen...); Motorboote, die Taucher und Schnorchler zu den Riffs führen. Trotzdem aber ein Ort, den ich in Ruhe geniessen kann und ich freue mich über einen autofreien Tag und eine Runde „Boule" am Strand. Eine Sonnenuntergangsfahrt in einem Boot bringt mich zu einem abgelegenen Dörfchen wo ich die Gelegenheit hätte, selbstgemachtes Kokosnuss-Bier zu versuchen. Doch bekanntlich sind die Geschmäcker verschieden und ich belasse es beim Riechen.

Das nächste Ziel ist Vilankulo, Ausgangspunkt für Besuche des Bazaruto National Parks (Archipelago). Die Sicht aus dem Flugzeug ist umwerfend; im klaren Wasser sehen die Sandbänke wie die Dünen in Namibia aus - nur halt unter Wasser. Fantastisch auch der Blick aus der Vogelperspektive auf Benguerra- und auf Bazaruto Island. Die erste Nacht verbringe ich im luxuriösen Indigo Bay Island Resort (Bazaruto Island). Die mit jedem erdenklichen Komfort ausgestatteten Bungalows sind mittels Laufstegen mit dem Hauptgebäude verbunden. Zahlreiche Aktivitäten werden angeboten, so dass man gut und gerne eine Woche verweilen möchte.

Meine Zeit ist leider knapper bemessen und so werde ich am nächsten Morgen mit dem Motorboot zur Benguerra Lodge auf die gleichnamige Nachbarinsel gefahren. Die auf Stelzen stehenden Bungalows sind unter schattenspendenden Bäumen versteckt (bis auf 2 Ausnahmen) und bieten mit viel Charme eingerichtete Zimmer. Der eher rustikale Stil gefällt mir sehr und wäre nicht das exzellente Essen, würde ich mich fast als Robinson Crusoe fühlen. Ein mühsamer Aufstieg auf die höchste Sanddüne der Insel wird durch einen schönen Rundblick über die Insel belohnt. Das klare, türkisfarbene Wasser bietet einen schönen Kontrast zu den weiss-gelben Sanddünen und dem dichten Busch der Insel.

Die letzte Station auf den Inseln heisst Marlin Lodge (Benguerra Island). Im Unterschied zur Benguerra Lodge stehen diese Unterkünfte auf den Dünen und der Ausblick aufs Meer lässt keine Wünsche offen. Ein weiterer Schnorchelausflug überzeugt mich vollends von der unvergleichlich schönen Unterwasserwelt; wahrlich ein Paradies für Taucher und Schnorchler. Eine Sonnenuntergangsfahrt mit dem Katamaran (Cat sa Nova) und ein gutes Essen schliessen den Tag ab!

Nach vier paradiesischen Tagen bringt mich ein Motorboot wieder zur Vilanculos Beach Lodge zurück, wo ich mein Fahrzeug stehenlassen konnte. Die nun folgenden abenteurlichsten 500 km führen mich in westlicher Richtung quer durch Mozambique bis zum Norden des Krüger National Parks. Die schmale und zum Teil sehr schlechte Piste schlängelt sich durch den dicken Busch und das Fahren nimmt viel Zeit in Anspruch. Nach der Durchfahrt des immer noch Wasser führenden Limpopo Flusses ändert sich die Landschaft und zahlreiche Baobab Bäume säumen den Weg bis zum Pafuri Grenzposten, wo ich wieder nach Südafrika einreise. Mit der Ankunft in Johannesburg geht eine tolle Reise - geprägt von freundlichen Menschen, schönen Landschaften und eindrucksvoller Unterwasserwelt - zu Ende.

(Nicole Wilhelm)
  Weg nach Ponta do Oura

Lagune

Sandpiste nach Bela Vista

Sonnenuntergang Holiday Inn Maputo

Bahnhof Maputo

Praia do Bilene

Zongoene Lodge

Ruinen

Aussicht bei Quissico

Benguerra Lodge