headline reisberichte
Skelettküste und Kaokoveld (April 2002)

Ein lang gehegter Traum geht endlich in Erfüllung: Ich erhalte die Gelegenheit, die Skelettküste und das Kaokoveld zu besuchen. Vier volle Tage in fast totaler Einsamkeit und Ruhe, dass man das Meer aus über 20 km Entfernung noch rauschen hören kann! Eine Gegend, deren unglaubliche Anziehungskraft verstärkt wird durch die harten und unwirtlichen Lebensbedingungen. Eine Gegend, die ihren Namen wegen der zahlreichen gestrandeten Schiffwracks erhalten hat. Eine Gegend, die faszinierender, abwechslungsreicher und vielfältiger nicht sein könnte!

Täglich wird man durch Wind, Sand und Sonne herausgefordert und nachts kriecht der Nebel vom Meer her ins Landesinnere und sorgt für enorme Abkühlung und lebenserhaltende Feuchtigkeit. Der Besuch beim schon fast nicht mehr sichtbaren Schiffwrack der 1942 aufgelaufenen Dunedin Star erfüllt mich mit Dankbarkeit für den uns zur Verfügung stehenden funktionstüchtigen Geländewagen! Die Vorstellung, an dieser öden Küste zu stranden, lässt mich erschaudern und gleichzeitig steigt mein Respekt, dass es den Rettungsmannschaften damals gelang, über 100 Überlebende zu bergen. Noch heute kann man Spuren der sich damals über die Dünen und Felsen kämpfenden Rettungswagen sehen.

Die Vielfältigkeit der Landschaft raubt mir die Sprache und es scheint unmöglich, die Emotionen in Worte zu fassen. Die Ausflüge führen durch unterschiedlichstes Gelände. Kieselwüsten, deren kleinen Steine rot, grün, schwarz oder - je nach Lichteinfall - gar violett erscheinen, wechseln sich ab mit weissen und rötlichen Sanddünen. Ein Ausflug führt zur namibischen „Gartenroute", dessen verwittertes Granitgestein der Fantasie freien Lauf lässt; eine weitere Exkursion bringt uns durch die Etendeka Berge, wo das Gras nach den vergangen Regenfällen bis zu einem Meter hoch ist. Ein anderer Ausflug führt - vorbei an riesigen Salzpfannen, welche an ein schmelzendes Schneefeld erinnern - zum Achatberg, wo grosse herumliegende Achatplatten als Beweis für die Launen der Natur stehen.

Ein „geruchsintensives" Erlebnis ist der Besuch beim Cape Frio. Über 100'000 Robben treffen wir an. Für die herumstreifenden Schakale und Braunen Hyänen sind die manchmal tief schlafenden Robben eine leichte Beute. Noch lange nach unserem Besuch riechen unsere Kleider nach dem „Robben-Parfum".

Im Kaokoveld, wo zahlreiche ausgetrocknete Flussbette und Quellen - umsäumt von Makalali Palmen, Tamarisken und anderen Pflanzen - die Landschaft prägen, treffen wir endlich auf die seltenen Wüstenelefanten. Ein unvergesslicher Anblick!

Eingeprägt hat sich auch der Besuch bei den „Clay Castles" - den Lehmschlössern. Der weisse Lehm erhebt sich vor dem dunklen Granitgestein in bizarrsten Formen. Auf dem Weg durch diese „Lehmschlucht", die zum Hoarusib Fluss führt, treffen wir auf frische Löwenspuren und nur wenig später hören wir das durch Mark und Bein gehende Brüllen der Löwen. Der Gedanke, bald Löwen zu sichten, lässt unseren Adrenalinspiegel steigen, aber leider bleibt uns dieses Erlebnis verwehrt.

Nur knapp zwei Stunden Flugzeit trennen uns von der Zivilisation und Hektik des Alltages, welche uns in Windhoek sofort wieder einholt. Was unvergesslich bleibt, ist das unbeschreibliche Gefühl von Glück, Ruhe und Lebensraum, welches mir die Skelettküste schenkte!

(Nicole Wilhelm)

  Landschaft

Hoarusib / Kaokoveld

Clay Castle

Salzsee

Skeleton Küste