headline reisberichte
KwaZulu/Natal und Swaziland
(Mai 2002) 

„Abseits der touristischen Pfade" war das Motto dieser Erkundungsreise, welche mich in der Provinz KwaZulu/Natal an Orte brachte, welche - zumindest bis heute - bei den meisten Südafrikareisenden noch unbekannt sind.

Von Durban führt die Reise auf der N3 über Pietermaritzburg und Howick in die Midlands. Eine Landschaft, welche mich Südafrika vergessen lässt, wähne ich mich doch einmal im Schwarzwald und dann wieder in Schottland. Üppige Waldlandschaften wechseln sich ab mit weiten Viehweiden. Die erste Übernachtung darf als „Farmhouse Experience" verbucht werden, denn die charmante Lythwood Lodge (geführt von einem ebenso charmanten Ehepaar) liegt inmitten von Viehweiden; ein herrlicher Ort für den Ruhesuchenden. Ausflüge ins nahegelegene Kamberg Nature Reserve können organisiert werden und die geführte Besichtigung seltener Felszeichnungen der Buschmänner (man schätzt das Alter der Zeichnungen zwischen 2'000 und 8'000 Jahren!) sind ein Höhepunkt des Halbtagesausfluges.

Die Zululand Battlefields sind mein nächstes Etappenziel. Über Estcourt und Dundee gelange ich nach Isandlwana. Die Landschaft wird karger und die Vegetation besteht meist nur noch aus tiefem Gras. Die dort ansässigen Zulus leben meist von Viehzucht und etwas Getreideanbau. Natürlich geniesst ein Besuch dieser Battlefields - historisch bedingt - bei uns Schweizern nicht den grössten Stellenwert und auch ich bin gespannt, wie diese historischen Stätten auf mich wirken werden. Eine gut 3stündige Besichtigungstour des Schlachtfeldes von Isandlwana ändert meine Vorurteile umgehend, denn der mich begleitende Historiker bringt es mit seinen dramatischen Schilderungen fertig, dass mir immerwieder ein Schauder über den Rücken läuft. Die nahegelegene Isandlwana Lodge (eine ausgezeichnete Unterkunft) besticht durch ihre Architektur und ihre Aussicht auf das kleine Zuludorf und das Schlachtfeld im Hintergrund.

Weiter geht die Reise in östlicher Richtung. Über Vryheid und Ngobeni fahre ich bei Louwsberg, dem südlichen Eingang zum Itala Wildschutzgebiet, vorbei. Die Strasse schlängelt sich über Bergrücken, die Vegetation wird wieder üppiger und mit jedem Kilometer mehr in Richtung Swaziland erscheint mir das Klima wärmer und die Luft feuchter. Mein Etappenziel ist das Pongola Game Reserve, welches an die südöstliche Grenze des Königreichs Swaziland anschliesst. Pongola Game Reserve wurde im Jahre 1894 proklamiert und ist somit das zweitälteste Wildschutzgebiet der Welt. Für eine Nacht ist die White Elephant Lodge mein Zuhause und so fühle ich mich dort auch! Der Eigentümer der Lodge - ein erfahrener Veterinär - spielte eine Pionierrolle bei der Umsiedlung der ersten Elefantenfamilien aus dem Krüger Nationalpark in private Wildschutzgebiete. So stehen hier nicht spannende Safaris, sondern vielmehr das intensive Studium der Verhaltensweise der Elefanten im Vordergrund. Eine Bootsfahrt zum Sonnenuntergang auf dem Lake Jozini rundet einen erlebnisreichen Tag ab.

Über Golela/Lavumisa fahre ich weiter nach Swaziland. Dominieren zu Beginn noch Zuckerrohrplantagen so ändert die Vegetation auf dem Weg nordwärts immer mehr zu Feldern und dichtem Baumbestand. Vorbei an Big Bend und Manzini erreiche ich am Nachmittag das Mlilwane Wildschutzgebiet. Die Übernachtung in der Reilly’s Rock Hilltop Lodge ist ein spezielles Erlebnis. Das alte Gebäude im Kolonialstil thront auf einer Anhöhe mit herrlichem Ausblick ins Tal hinunter. Selbstverständlich ist hier der „Afternoon Tea" ein fester Bestandteil alter, englischer Traditionen.

Die gut unterhaltene Hauptstrasse steigt gegen Norden bis Pigg’s Peak an und führt dann durch malerische Landschaften hinunter nach Jeppes Reef, dem Grenzübergang zu Südafrika. Beim Malelane Gate erreiche ich den Krüger Nationalpark. Obwohl mich eine Elefantenherde bei einem „Hide" (versteckte Aussichtsplattform) über zwei Stunden am Weiterfahren hindert, erreiche ich mein Tagesziel, die Idube Game Lodge im Sabi Sands Wildschutzgebiet noch vor dem Eindunkeln. Eine gute Flasche Meerlust Rubicon zum Nachtessen unter freiem Himmel macht die lange Tagesetappe schnell vergessen.

Die Panoramaroute ist der Höhepunkt des nächsten Tages. Über Hazyview, Sabie und Graskop gelange ich zum Blyde River Canyon Naturschutzgebiet. Bei „God’s Window" bietet sich mir ein atemberaubender Ausblick hinunter ins Lowveld und in den am Horizont erkennbaren Krüger Nationalpark. Der Abel Erasmus Pass ist das letzte „Hindernis" auf dem Weg nach Hoedspruit und weiter ins Timbavati Wildschutzgebiet. Die Unterkunft im privaten Wildschutzgebiet Tanda Tula besteht aus luxuriösen Zelten, welche - inmitten des afrikanischen Busches - über allen Komfort verfügen. Die Safari am nächsten Morgen beginnt vor Sonnenaufgang, die Sicht ist durch Nebelschwaden getrübt und plötzlich stehen wir mit unserem Landrover vor 3 Nashörnern. Schwer zu sagen, welche Seite mehr erschrocken ist!

Nach einem ausgiebigen Brunch verlasse ich Tanda Tula gegen Mittag. Lydenburg, Dullstroom und Belfast sind die Etappen auf meiner Rückreise nach Johannesburg, wo ich am Abend die Maschine nach Zürich besteige. Eine unvergessliche Reise! Einmal mehr!

(Hanspeter Zeier)

  Lythwood Lodge

Sangoma (Zulu-Heiler)

Isandlwana Lodge

Isandlwana Battlefields

Isandlwana Battlefields

White Elephant Lodge

Reilly's Rock Hilltop Lodge